Stefan WinopalText Eine Stunde voll Magie?

Eine Stunde voll Magie?

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Das vierte Studioalbum der Scissor Sisters im Plattencheck

Das vierte Album der Scissor Sisters mit dem verheißungsvollen Titel Magic Hour klingt erst mal gar nicht wie ein typisches Album der New Yorker. Nachdem die Vorgängerplatte Night Work einem das Gefühl gab, zwischen verruchten Bars und dunklen Gassen hin und her zu stolpern, öffnet Magic Hour einladend seine leuchtenden Pforten, hinter denen sich schillernde Tanzperlen verbergen.

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Fast schon schleppend und trotzdem beschwingt groovt der erste Track des Longplayers, Baby Come Home, den Hörer darauf ein, was die schneidigen Schwestern an neuem Material aufgeboten haben. Bereits Keep Your Shoes, der nächste Song, ist deutlich tanzbarer und erinnert vom Beat her spontan an Fedde Le Grands Let Me Think About It. Für die erste Singleauskopplung des Albums, Only The Horses, zeichnet sich Erfolgsproduzent Calvin Harris verantwortlich, der erwartungsgemäß einen eingängigen House-Pop-Track liefert, der die Tanzflächen im Sturm erobern wird. In die gleiche Kerbe schlagen auch Let’s Have A Kiki und Shady Love. Best In Me überrascht im letzten Drittel des Albums mit fast schon karibisch anmutenden Sounds, inspiriert vom Reggaetón. Neben all der Tanzmusik haben es natürlich auch Balladen und leisere Töne auf die Trackliste geschafft, besonders hervorzuheben sind hier Inevitable und The Secret Life Of Letters.

Trotz der wiederentdeckten Liebe zum Dancefloor möchte Jake Shears das neue Album richtig verstanden wissen: „Unsere Musik ist universell. Wir haben diese Homo-Band-Sache überwunden, so der Sänger der Band gegenüber der Daily News. Und in der Tat haben sich die Scissor Sisters mit dem neuen Album ein gutes Stück weiterentwickelt. Der Sound klingt deutlich moderner, ist elektronischer geworden, ohne dabei abgehoben zu klingen. Magic Hour ist ein großartiges Pop-Album und es ist der Band nur zu wünschen, dass sie mit dieser LP auch endlich in den USA richtig durchstarten. Europa geht derweil schonmal tanzen.

Über diesen Text

Ein neues Album in Dauerrotation und die Suche nach einem Thema für einen weiteren Text haben im Mai 2012 zu dieser Plattenbesprechung geführt, die nicht veröffentlicht wurde.
Ziel war hier, dem Leser ein Gefühl für das neue Album der Scissor Sisters zu geben und Neugierde zu wecken, ohne zuviel vorweg zu nehmen.